17.11.2003 - 21.11.2003

Süleimann MoscheeIstanbul - stand schon lange ganz oben auf unserem Wunschzettel für Städtereisen, so dass uns das supergünstige Angebot der guv-Touristik sehr gelegen kam.
Um es gleich vorwegzunehmen - um dem Flair einer Kaffeefahrt zu entgehen, sollte man die Informationsveranstaltung meiden. Es werden zwar keine Decken verkauft, aber das zusätzliche Komplettausflugspaket wurde doch schon ganz schön penetrant angeboten (inkl. Gewinnspiel mit Wertgutschein für eine andere Reise).
Nicht, dass das Paket schlecht gewesen wäre. Eine Rundumversorgung kann man bestimmt kaum günstiger bekommen. Wir stehen aber nicht so sehr auf geführte Reisegruppen und die Altstadt von Istanbul kann man bequem und schneller erlaufen als mit dem Bus dauernd Umwege im Stau zu erschleichen. Vor allem, wenn das nette und ordentliche Hotel inmitten der Altstadt liegt. Keine der Hauptsehenswürdigkeiten war weiter als etwa 1 km entfernt.

Reiseführer

Uns standen zwei Reiseführer zur Verfügung, an denen es nicht wirklich etwas auszusetzen gab, aber so richtig perfekt...?! Als angenehm empfanden wir die Aufteilung in Stadtrundgänge. Auch wenn wir im Endeffekt keine so genutzt haben, aber diesen Ansatz finden wir gut. Wir sind uns auch nicht sicher, wer hier vom anderen oder sonst wo abgeschrieben hat. Vieles ist erstaunlich gleich.
Die besten Informationen bekommt man in Istanbul aber dann doch in der Touristinformation. Wir nutzten die im europäischen Hauptbahnhof Sirkeci und waren über den Service angenehm überrascht.

Goldstadt Reiseführer Istanbul
Goldstadtverlag Pforzheim
ISBN 3-89550-217-0

Polyglott on tour - Istanbul (mit Extra-Karte)
Polyglott Verlag München
ISBN 3-493-58763-5


Essen

FischmarktDie türkische Küche ist nach wie vor eine Reise wert und die Nähe zum Meer tut das ihrige dazu. Die Preise entsprechen in den Touristengaststätten etwa unseren heimischen. Fisch ist immer zu empfehlen. Obwohl man wegen der Frische schon auf lokale Arten achten sollte, z. B. Blaufisch.
Ganz günstig und unwahrscheinlich lecker bekommt man Fisch frisch gegrillt von einem kleinen Boot an der Schiffsanlegestelle Eminönü.
Unter der Yeni Galata Brücke entdeckten wir ein, auch von Türken gut besuchtes, günstiges Lokal mit sehr gutem Fischangebot. Das Balik Bizim Isimiz ist leicht an seinem großen blauen Namensschild zu erkennen.
Eine gemütliche, etwas teurere Gaststätte war das amedros in der Hoca Rüstem 7, einer Querstraße der Divanyolu Cadedesi. Ganz auf Touristen eingestellt bekommt man dort auch ein Gericht im Tontopf gegart, der am Tisch zerschlagen wird um an das Essen zu kommen. Wir haben es nicht probiert aber unser Lamm und Huhn war sehr gut und die Sache mit dem Tontopf am Nachbartisch effektvoll.
Ein besonders knuspriger Lammspieß hatte es uns auch noch angetan und einen solchen Dönergenuss findet man bei uns nicht. Aber nicht alle Spieße sahen so appetitlich und lecker aus. Es gibt da auch in der Türkei Qualitätsunterschiede. Unseren leckeren erstanden wir bei den Ständen gleich am Taksim Platz. Man sollte den Vergleich auf jeden Fall einmal schmecken.

Im Detail

Wir wollen hier nur ein paar Besichtigungshinweise geben, die wir so nicht in den Reiseführern gefunden haben. Die Sehenswürdigkeiten selbst werden dort viel besser beschrieben.
Die Hauptsehenswürdigkeiten der 12 Millionen Metropole konzentrieren sich auf einer sehr kleinen Fläche in der Altstadt. Idealerweise wählt man ein Hotel in den Stadtteilen Sirkeci, Sultanahmet oder an der einzigen Straßenbahnlinie Istanbuls und kann sie so bequem zu Fuß erreichen. Mit jedem anderen Verkehrsmittel steigt nicht nur der zeitliche Aufwand. Die Stadt befindet sich im Dauerstau und das Bussystem ist nur schwer zu durchschauen.
Die Fähren bieten eine günstige Alternative, um nach Galata (Neustadt) oder Üsküdar (Asien) zu kommen. Bei den Taxifahrern Istanbuls gehört die Touristenabzocke wohl mit zum Berufskodex. Der Taxometer hat prinzipiell beim Einsteigen schon einen gehörigen Vorlauf und beim Bezahlen wird der Trick mit den vertauschten Geldscheinen gern genommen. Man sollte auch eine Vorstellung von der Wegstrecke haben. Also aufmerksam bleiben und höflich aber bestimmt auftreten. Dann wird auch freundlich zum nächsten Trick übergegangen.
Topkapi SarayiDie Eintrittspreise für die Museen sind heftig und liegen bei 6 bis 12 Euro. Im Topkapi Sarayi (dienstags geschlossen) zahlt man dabei noch einmal extra für den Harem und die Schatzkammer. Vor allem den Harem als Wohnbereich des Sultans sollte man sich dabei aber nicht entgehen lassen. Zwar streift die Führung nur einen Bruchteil der über 400 Räume und es befinden sich auch keinerlei Einrichtungsgegenstände mehr dort, aber allein die Raumstruktur und die Gestaltung der Wände lässt schon einen Eindruck in diese vergangenen Zeiten zu.
Womit wir schon bei einem weiteren Palast sind: Der Dolmabahce Palast befindet sich zwar auf der anderen Seite des Goldenen Horns, aber dorthin soll all die Möbelierung gekommen sein, als der Topkapi zum Museum umgestaltet wurde. Im Gegensatz zu uns solltet Ihr aber die Öffnungszeiten aus dem Reiseführer beachten und nicht gerade donnerstags oder montags hinfahren. Am günstigsten erreicht man den Palast mit der Fähre von Eminönü nach Besiktas.
Hagia SophiaSo, nun zurück zur Altstadt. Ganz in der Nähe vom Topkapi Palast sind gleich die Blaue Moschee und die Hagia Sophia. Die Blaue Moschee wurde in einen Touristenbereich und einen für die Gläubigen unterteilt. So ist sie ganztägig zu besichtigen und auch ein Kopftuch für die Frauen ist nicht nötig. Nur die Schuhe müssen ausgezogen werden und können im Beutel mitgenommen werden Während der Gebete sind aber Gespräche und Fotografieren nicht erwünscht . Am Ausgang befindet sich ein Stand, an dem man eine kleine Spende hinterlassen kann. Die Hagia Sophia als ursprünglich byzantinische Kirche und spätere Moschee ist heute ein Museum. Durch ihre beindruckende riesige Kuppel wird sie auch gern als das 8. Weltwunder bezeichnet.
Etwas rechts gegenüber des Einganges kann man sich eine alte, ziemlich große Zisterne, den Yerebatan Sarayi (unterirdischer Palast) anschauen. Die vielen von 336 Säulen getragenen Gewölbe haben uns gut gefallen.
Folgt man der Divan Yolu Caddesi - oder nimmt die Straßenbahn - bis zur Beyazit-Moschee ist man auch gleich beim Großen Basar. Auch wenn er heute hauptsächlich auf das Touristengeschäft ausgelegt ist, sollte man ihn auf keinen Fall verpassen und vielleicht findet man ja doch die eine oder andere Kleinigkeit. Bis auf ca. 60 % lassen sich die Händler oft herunterhandeln. An irgendeiner der vielen Ecken fanden wir auch Grosser Basarein Cafe, von dem man das Treiben gut beobachten konnte. Auch der Kaffee war dort gut. Wenn man den Basar bergabwärts verlässt findet man auch leicht zum Ägyptischen Basar. Es macht auch nichts, wenn man den direkten Weg etwas verliert. Denn abseits vom Touristentrubel findet man hier noch ganze Straßen, wo die Händler nur auf eine Produktgruppe spezialisiert sind - sei es Stoffe, Nähzubehör oder auch Laborzubehör. Der Ägyptische oder auch Gewürz -Basar besteht eigentlich nur aus zwei überdachten Gängen. Auch die Händler gleichen sich stark in ihrem Angebot. Es gibt Lokum, den türkischen Honig, die typischen Gewürze und Tee - kurzum: alles, was der Tourist gern mit nach Hause nimmt. Aber gerade dort haben wir auch einige Einheimische gesehen, die sich mit Süßigkeiten eindeckten. Rund um den Ägyptischen Basar gab es einen Markt mit Waren des täglichen Bedarfs. Wir sind aber nicht sicher, ob das eine Ausnahme wegen des Ramadans war.
Wer sich für die alte Stadtmauer interessiert, sollte sie einfach mit der Straßenbahn erreichen können. Wir waren nicht dort.
Bei schönem Wetter empfiehlt sich eine Bosporus Bootstour. Da es am Kai gar nicht so einfach ist, die passende Anlegestelle zu finden und man darüber hinaus auch dauernd für teure private Bootstouren angesprochen wird, empfiehlt es sich vorher die Touristinformation aufzusuchen. Dort bekommt man alle nötigen Informationen. Leider fuhr zu unserer Zeit nur ein einziges Linienschiff früh den Bosporus hinauf und dann nach etwa zwei Stunden Aufenthalt in Anadolu Feneri um 15:00 Uhr zurück. Es gab also keine Möglichkeit zu einem Zwischenstopp. Trotzdem war es eine überaus interessante Tour. Die Fahrt führt vorbei an schönen Holzvillen, Residenzen und Burgen. Nicht nur die Fahrt sondern auch der Service a Bosporus Villenn Bord war gut und günstig. In Anadolu Feneri nutzten wir die Zeit, um zur Burgruine emporzusteigen und die schöne Aussicht über den Bosporus und zum Schwarzen Meer zu genießen. Unseren Aufenthalt beschlossen wir mit einem opulenten Mahl in einer der Fischgaststätten direkt am Wasser. Eventuell könnte man diesen Tag noch effektiver nutzen, wenn man sich noch über die Stationen und Abfahrzeiten des See Bus informiert, einer Express Bootslinie für den Bosporus. Uns ist das zu spät aufgefallen.
Eine weitere Schönwetter-Ausspann-Tour ist die Bootsfahrt zu den Prinzeninseln. Die Inseln, ein Stück im Marmarameer vorgelagert, sind die Zuflucht vom Stadtleben und dementsprechend genutzt. Vor allem die letzte und größte Insel dient nur der Erholung. Durch die Straßen mit den schönen Holzvillen und den Kiefernwald lässt man sich mit der Pferdekutsche fahren. Diese Fahrt dauert ca. eine Stunde. Kraftfahrzeuge sind auf den Inseln größtenteils nicht erlaubt. Wenn möglich, sollte man die kleine Kirche im Kloster der Insel besuchen. Von außen unscheinbar ist sie innen sehr schön. Am Wasser kann man dann zum Abschluss die Seele baumeln lassen, um sich dann wieder mit neuer Kraft der Stadt zu widmen.
Bei günstigem Wetter hat man von der Yeni Galata Brücke bei Sonnenuntergang einen beieindruckenden Blick auf die Moscheen der Stadt. Dabei heißt günstig nicht unbedingt schön, Nebel und Dunst können das Farbenspiel um die Silhouetten der Minarette verstärken.
GalataturmAuf der anderen Seite des Goldenen Horns fällt einem gleich der Galataturm ins Auge. Er beherbegt auch ein Restaurant und eine Nachtbar aber vor allem hat man von hier einen tollen Ausblick über die Istanbuler Altstadt. Besonders begeistert waren wir durch das abendliche Lichtspiel am Topkapi Sarayi.
In der Nähe des Galataturms fährt eine historische Straßenbahn die Einkaufsstraße vom Tünelplatz zum Taksimplatz entlang. Hier findet man ein (teures) Geschäft am anderen, aber auch ein paar schöne Häuser. Durch das schlimme Attentat auf die britische Botschaft in einer Querstraße empfingen uns dort aber Absperrungen und zerstörte Fenster.

Hier noch ein paar allgemeine Hinweise zur Stadt selbst:
Istanbul ist eine gigantische Metropole und entsprechend groß ist auch der Trubel. Stau und Menschenmassen sind allgegenwärtig. Das erleichtert natürlich auch den Taschendieben das Handwerk. Bei unserem Besuch haben wir zwar von keinem aktuellen Versuch gehört aber man sollte sich auf jeden Fall darauf einstellen. Nach einem Hinweis der Reiseleitung lässt man den Pass und alles was nicht am Tag gebraucht wird am Besten im Hotelsafe (evtl. kann man ja eine Kopie einpacken). Nur eine Visitenkarte des Hotels sollte man dabeihaben.
In der Nähe der Sehenswürdigkeiten wird man auch oft von Schleppern (hauptsächlich Teppiche) angesprochen. Mit ein paar feundlichen Worten wird man sie aber leicht wieder los. Nur die Schuhputzer haben wir als wirklich nervig erlebt.
Die Blaue Moschee ist direkt für nichtmuslemische Besucher ausgelegt aber auch jede andere Moschee kann ausserhalb der Gebetszeiten besucht werden. Abgesehen vom zurückhaltenden Auftreten sollte man auch auf angemessene Kleidung achten. Eine Spende ist gern gesehen und bei den großen Gotteshäusern gibt es dafür sogar so eine Art Kassen, Pflicht ist es aber nicht. Nicht verpassen sollte man die Süleiman Moschee.